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Alfons Jestl

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Die Fee im Kirschbaum
Die Sandalen des Mose
Der nackte Kaiser
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Rezension Österreichisches Bibliothekswerk:

Die Fee im Kirschbaum

Im Dialog von Innen- und Außensicht treten zugeschwiegene Gletscherspalten örtlich-naher und weltweiter Tragödien zu Tage. (DL)

Wenn sie "ins fenster lächelt die/fee der traurigkeit", reißt der Alltag in seiner Oberfläche auf, Gedanken steigen aus der Tiefe und zerschneiden Klischees, Scheinheiligkeiten und Phrasen messerscharf. Die golden verbrämte Geschichte Österreichs büßt ihren Lackglanz ein und auch wenn am Schanktisch "die fama tröpfelt" und "der alten wille himmel-reicht", färben sich das Tiefschwarz, das Blütenweiß der Vorverurteilungen und die verdrängungsdicke Grauschicht täglich erlebter und hingenommener Missstände blutrot in den Wörterwunden, die wir uns gegenseitig schlagen. Und doch bleiben die Menschen "ge-gott-schöpflich" und "hoffend ver-/blüht die schwere".

Menschliche Tragödien werden in nüchterne Worte gespalten, bei neu zusammengesetzten Namen genannt und so in umdefinierte Bahnen gelenkt, in denen Änderung zumindest denkbar wird. Wie in den Texten wird in den Illustrationen Konkretes in Linien, Flächen und Konturen zerlegt, gedreht, gewendet, durchmeditiert und neu aneinandergefügt. Man meint, im Hell- und Dunkelgrau Bekanntes zu erkennen, verhakt sich jedoch in Brüchen und Ungereimtheiten und erkennt schließlich ausgeweitete Perspektiven in den Licht- und Schattenwelten. Für weiter und tiefer denkende AnhängerInnen von moderner Lyrik sehr empfehlenswert.

*bn* Christiana Ulz

Rezension Österreichisches Bibliothekswerk:

Den Wasserkrug zerschlagenen tragen
Der nackte Kaiser

Die Sandalen des Mose

Ein genüssliches sprachexperimentelles Kratzen an der geschönten Oberfläche einer scheinbar unveränderlichen Wirklichkeit. (DD)

Ein akribischer Sprachbeobachter und sarkastischer Bilderstürmer macht sich über das Selbstverständliche her. Worthülsen werden als solche entlarvt, potemkinsche Idyllen zum Einsturz gebracht. Das sakral dem Menschlichen Enthobene wird hinterfragend mit Erfahrungsgewichten behängt und mit der Schwerkraft des sich hinwendenden Blickes auf die Erde geholt. Dazu werden Wort- und Grammatikgrenzen außer Kraft gesetzt, Wörter ineinander verschachtelt, die erwartete Reihenfolge verändert. Auf den flüchtigen ersten Blick sperren sich die Deutungsangebote, bei näherem Hinsehen gerät jedoch der festgefügte Boden einer vorschnellen Interpretation in aufrüttelndes Wanken. Die experimentierfreudigen Textkorpora stehen im Gegensatz zu den auch optisch traditionellen Überschriften, was zwar die Verständlichkeit erhöht, aber zugleich dem Traditionsbruch die Spitze nimmt. Für alle, die sich nicht mit der Oberfläche des alltäglichen Lebens zufrieden geben und gewagte Sprachkonstruktionen zu schätzen wissen, sehr empfehlenswert.

*bn* Christiana Ulz

Peter Tschuggnall

Der Dichter Alfons Jestl

Alfons Jestl, geb. 1956, studierte in Innsbruck Theologie. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Dänemark und seiner Tätigkeit im Redemptoristenkloster in Innsbruck betreut er seit 1996 den Pfarrverband Mariasdorf-Bernstein im Burgenland.

Als Schriftsteller, der einer von Polit(un)wesen und auch (inner)kirchlichen Machtspielen manipulierten Massen- und Konsumgesellschaft einen Spiegel vorhalten und den Impuls zu einem Innehalten geben will, hat er über den deutschsprachigen Raum hinaus Achtung erlangt. Jestl bringt seine Anliegen ohne jegliche Beschönigung vor, seine Gedichte deuten in Wortspiele(reie)n auch die stetige Suche nach einer adäquaten Form an, gesellschaftlichen Hintergründen dichterischen Ausdruck zu verleihen. Die Gedichte spielen auf konkrete Anlässe an, wie sie der Autor (subjektiv) erlebt. Sie zeigen auf offene Wunden, die (noch) nicht verheilt sind. Die Ziele der dichterischen Angriffe werden mitunter sehr direkt und manchmal wohl auch bewusst etwas derb anvisiert, gewürzt mit einem offenkundigen oder verdeckten Schuss Ironie und Humor; wie in dem Gedicht „Heiliges Land“ aus dem Band Den Wasserkrug zerschlagenen tragen (Bibliothek der Provinz): „das land / das heilige land / das land tirol // [...] den bischof nicht / ent-kirch- / schicht-kratzen / dürfen // glocken-knall-schützen- / läuten heiligt / heiligt / heiligt“ – oder in dem Gedicht Im Dorf-Gasthaus (ebd.): „der nebel fenstert // november-vor- / bei die // gespräche wein- / nackt // die männer / erzähl-besitzen // stier-penisse“.

In seiner Lyrik wird jedenfalls auch für Kritiker des Kritikers Jestl dessen leidenschaftlich-ehrliche persönliche Überzeugung erfahr- und spürbar, „dass Literatur heute wieder neu ihre prophetische Aufgabe zu entdecken und die Stimme zu erheben hat“. Die von Jestl organisierten Literatursymposien in Stadtschlaining (2001 und 2002), zu denen Schriftsteller unterschiedlicher Kulturen geladen waren, machen des Dichters und Priesters Anliegen für den Alltag gegenwärtig. Sie zeugen vom Sinn eines interkulturell und ethnisch ausgerichteten Dialogs, der von der Theorie in die Praxis übersetzt und weitergetragen wird.

DDr. Peter Tschuggnall ist vergleichender Literaturwissenschaftler und Theologe,
er lebt in Tirol.

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