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Alfons Jestl

Den Wasserkrug zerschlagenen tragen

 

 

 

Alfons Jestl

Den Wasserkrug zerschlagenen tragen

Lyrik

© Verlag publication PNº1 Bibliothek der Provinz

Weitra 1999

ISBN 3 85252 3133

€ 13,-

 

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Lyrik
Die Fee im Kirschbaum
Die Sandalen des Mose
Der nackte Kaiser
Den Wasserkrug zerschlagenen tragen
Zwischen Liebe und Liebe gespalten
Mein Rahmen fällt in die Hoffnung
Übersetzung ins Ungarische
Übersetzung ins Slowakische
Besprechungen
Theologie Kunst Literatur
Vita
Kontakt

Grenz-Sicherung

drüber der grenze
        liegt-lauert das

         fremde

         der hass wurzel-
neidet hier

         gedüngt mit
        schwäche

die hähne blau-
        krähen

         mist-sporen-
        haufen-ver-

         sunken

 

 Szombathely in der Frühjahrssonne 1997

das zigeuner-mädchen
               kind-bettelt die

               augen stimm-
               schwarz-schwachen

das lächeln weint

                die kind-ängste
strassen-stauben

               mein zwerchfell
abgegriffene forint

 

Erb-Stück

das kasten-alt-erb-
               stück fällt-

bricht auseinander
die bretter-teile

               über-kreuz-
               quer-haufen

sich die luft
               staubt nicht

die morgens-gebete-
abends gefalteter vor-

               fahren-schwielig-
               hände kriechen

in meine nase

 

Gift-Lauer

in meinem inneren jenseits

               krater-lauern
               ameisen-nacht-
               schwarz-löwen

an auf-ge-rissenen
gräben verschütteten

               ersticken an
               gift-erb-
               stück-stille

 

Rückkehr

komme-kehre ich zurück
               nach jahren
               zu euch

               wander-um-
               ab-hoch-tief-
               wege zer-stirn-
               runzelt er-haare-
               graut

und trinken ein glas wein
meine hände haut-ge-
               altert

               sprecht-sagt
                       kein wort

denn ihr so-wie-so

               ver-nicht-steht
                       mich

 

Bernstein Jänner 1997

rauh-reif-kristalle
        ast-brechen
        die bäume

michael engel darm-
        krebs-zerfällt

der schutz-engel glas-
        kugelt vom
        christ-baum

gott spuckte sich
        schöpfend in
        die hände

 

Gähnen

die föhren nadel-
        kämmen den wind

die not-gebete
        herz-zer-sausen

        die leere der
        kirche gähnend

 

Berg-Bau-Leute

der krieg hinter-
               liess sie

               der tod
               rafft

am kammeraden-
               grab

               die fahne
               mühe-
               halten

der letzte wille
               ge-sagt

               glück-auf

 

Jesulein

im holz wurmen
        worte süsse

gold-windel
        duft-nasen-

        steigen gott
dem richter

        peiniger essen
trüffel-kinder

 

Perl-Muschel

perl-muschelnd treibe-
schwemme ich zwischen
stadt-grau-himmel

zutiefst in mir reibt
der nach-dir-schmerz
die sehnsucht zur perle

 

Biblisch

dir in die augen schauen
zwölf mal zwölf mal

hundert-tausend-lang in
unseren pupillen sich spiegeln

uns die zahl biblische offen-
bart sich hinter unserer netzhaut

die erlösung aushalten die
sehnsucht wurzelt in uns schläge

 

 
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